Appell an Bäuerinnen, Bauern, TierhalterInnen und HirtInnen
Verfasst an der Tagung „Zukunft säen - Vielfalt ernten", Graz, den 26. März 2010
Wir, Bäuerinnen und Bauern aus zwanzig europäischen Ländern und anderen Kontinenten, rufen alle TierhalterInnen auf, die Vielfalt der Nutztiere weiterhin zu schützen und zu erhalten. Die Vielfalt innerhalb der Herden und der Zuchtbestände wurde seit Jahrhunderten von Generationen von Bäuerinnen, Bauern, TierhalterInnen und HirtInnen geschaffen.
Diese Vielfalt bedeutet in Zeiten der wirtschaftlichen, sozialen und klimatischen Krisen die Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen. Gleichzeitig garantiert sie qualitativ wertvolle Lebensmittel, respektiert die Umwelt und fördert die Gesundheit von Mensch und Tier.
Der Reichtum verschiedener Tiere und traditionellem Wissen ist bereits eingeschränkt und wird zunehmend von nationalen und internationalen Sanitär-Normen und Regelungen bedroht, die ausschliesslich der industriellen Tierhaltung angepasst sind.
Dies verstärkt die genetische Verarmung, die mit dem Einsetzen der Politik der Industriellen Landwirtschaft in den 60er Jahren sowie mit der Praxis der künstlichen Besamung und der einseitigen Auslese begonnen hat. Die Konsequenzen der Selektion mit dem einzigen Ziel der Erhöhung der Produktivität reissen die Tiere aus ihrer natürlichen Umgebung. Die Verwendung von künstlichem Konzentrat - an Stelle des herkömmlichen Futters-, Hormonen, pharmazeutischen Behandlungen und Impfungen führen zum Verlust der Gesundheit, der natürlichen Robustheit und der Widerstandsfähigkeit. Die Abhängigkeit von Chemie und harmazeutischer Industrie wird immer größer.
Wir rufen die TierhalterInnen auf, auf ihr überliefertes Wissen und ihre Praxis zu vertrauen. Wehren wir uns gegen den Druck von immer mehr Regeln und technischen Vorschriften. Gegen das Keulen ganzer Tierbestände, den Zwang zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit, die elektronische Kennzeichnung, die für 2015 angekündigte Zulassungspflicht von männlichen Zuchttieren, die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Tiere aus angeblich sanitären Gründen und die Schließung von lokalen Schlachthäusern.
Wir TierhalterInnen müssen uns zusammenschliessen und Widerstand leisten!
Für die Freiheit und Unabhängigkeit der ZüchterInnen!
Für die freie Wahl der Zuchttiere und der Gesundheitsversorgung!
Wie weiter?
Wir, die TeilnehmerInnen des Saatguttreffens, möchten mit diesem Aufruf eine Diskussion lancieren, die sich mit aktuellen und zukünftigen Problemen der Tierzucht efasst. Deshalb interessiert uns, wie die Situation in eurer Region oder eurem Land
aussieht. Wie wurde auf den Impfzwang gegen die Blauzungenkrankheit reagiert? Wie sieht die Zulassungspflicht für die Zuchttiere aus? Welche Probleme bereiten euch am meisten Sorgen? Gibt es Gruppen oder Organisationen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen? Besteht Interesse an einem Europäischen Treffen im Sinne des Appells von Graz?
Für weitere Informationen und um in der Liste der europäischen Diskussionsrunde aufgenommen zu werden:
Deutschland: Jürgen Schröder, Ulenkrug, Dorfstrasse 68, 17159 Stubbendorf Mail:
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Schweiz: Remo Wyss, Le Montois 1, 2863 Undervelier Mail:
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Österreich: Hans Bruggraber, Pöllau 40, 8311 Markt Hartmannsdorf Mail:
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5. Europäischen Saatguttreffen „Let´s liberate diversity!"
Vom 25. bis 27. März 2010 versammelten sich in Graz, Österreich, 160 VertreterInnen europäischer Saatgutnetzwerke, von Initiativen zur Erhaltung, Nutzung und Verbreitung der pflanzlichen Vielfalt, zivilgesellschaftlicher Organisationen, GärtnerInnen, ZüchterInnen, Bauern und Bäuerinnen aus mehr als 20 Ländern beim 5. Europäischen Saatguttreffen „Let´s liberate diversity!". Zum ersten Mal wurden im Rahmen dieses Treffens auch Diskussionen zur Erhaltung der Nutztiervielfalt geführt, da im Bereich der Tierzucht die Verarmung der genetischen Vielfalt ebenfalls weit fortgeschritten ist.
Weitere Informationen zum Treffen: www.liberate-diversity-graz2010.org
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