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Politisches Training in Genf PDF Drucken E-Mail

Bericht vom Politischen Training für junge Menschen der European Coordination Via Campesina  

8. - 12. Feber 2010, Genf, Schweiz

 

von Bernhard Antensteiner

Beim Politischen Training der ECVC waren 24 vorläufige Jugendvertreter*innen aus 11 europäischen Ländern anwesend. Außerdem waren  Annelies und Fergal vom Brüsseler Büro der European Coordination Via Campesina und 6 Ehrenamtliche Simultanübersetzer*innen für Französisch, Spanisch und Englisch dabei. Ich möchte mich auf diesem Weg noch mal herzlich bei den Dolmetscher*innen bedanken, die teilweise bis zur völligen Erschöpfung unsere ausgedehnten Diskussionen flüssig am laufen hielten.

Das Politische Training fand in einem wunderschönen selbstorganisierten Sozialzentrum gleich hinterm Genfer Hauptbahnhof statt. Das Programm Bestand aus theoretischen Inputs und viel, viel Diskussionen, Austausch und Kennenlernen unter Zuhilfenahme einiger interessanter gruppendynamischer Werkzeuge. Die Woche war sehr intensiv - wir arbeiteten teilweise bis nach Mitternacht. Einen großen Teil der Kosten übernahm die Regionalregierung des Baskenlandes.

Hier ein kurzer Wochenüberblick:

Montag:

Paul Nicholson (EHNE, Baskenland) gab einen Überblick über die Organisation von Via Campesina mit Fokus auf Europa und einige interessante Einblicke in die konkrete Arbeit.

Kate Wilson, (übersetzte - wie des Öfteren bei Meetings mit Via Campesina-Beteiligung - die ganze Woche hindurch, lebt in einem anarchistischen Sqad in Barcelona, Spanien, Antikapitalismus/-globalisierungsaktivistin) präsentierte uns ihre Sicht von Via Campesina von „halb-außen".

Nach einer kurzen Diskussion über das Vorgetragene wurden einige Statements zu Agrarfragen gemacht und die Teilnehmer*innen gebeten, sich je nach Zustimmung dazu im Raum zu positionieren. Danach wurden die Statements bei Bedarf noch diskutiert. Zu den meisten Aussagen waren die Einstellungen recht nahe beieinander. Kontroversiell war vor allem die Frage über die Sinnhaftigkeit von Arbeit an der CAP (Gemeinsame Agrarpolitik der EU, Common Agricultural Policy). Hier war letztlich die Meinung vorherrschend, dass diese Arbeit zuviel Energie von regionalen Initiativen abziehen würde.

 

Dienstag:

Valentina Haemmeler Maïga (UNITERRE, Schweiz) sprach über Internationale Organisationen, die die Agrarpolitik beeinflussen. Dieses Thema wurde in 3 Sprachgruppen weiterdiskutiert und danach weiter im Plenum besprochen. Ein besseres Gefühl für die vielen Machtstrukturen zu bekommen, die die tägliche Arbeit von Kleinbäuer*innen beeinflussen, schien mir für viele von uns sehr bereichernd.

 

Mittwoch:

Nicolas Duntze (Confédération Paysanne, Frankreich) sprach über die Realität von Gewerkschaftsarbeit und Bauernkämpfen.

Außerdem wurde ein Film über die Ausbeutung osteuropäischer Landarbeiter in Südspanien und Süditalien gezeigt. Der extreme ökosoziale Raubbau der industriellen Intensivlandwirtschaft vor allem in diesen Regionen scheint aktuell eines der brennendsten Probleme in Europa zu sein. Angesichts der massiven Ausbeutung vieler Afrikaner*innen aber auch Osteuropäer*innen in diesen Gegenden schien mir ein wesentliches Ergebnis der anschließenden Diskussion die Notwendigkeit der Gründung von Via Campesina-Organisationen in den ehemals kommunistischen Ländern Osteuropas.

Am Nachmittag beschäftigten wir uns mit unseren Visionen und Vorstellungen über die kleinbäuerliche Zukunft und unsere politische Arbeit. „Think and listen" in Paaren sollte auch den leiseren Stimmen unter uns mehr Gewicht und Ausdruck verleihen.

 

Donnerstag:

Sylvia Perez Vitoria (Ökonomin, Soziologin und Dokumentarfilmerin, Autorin des Buches « Bauern für die Zukunft ») sprach über das Konzept der Agroecology und über einige interessante Aspekte der Arbeit von NGOs und oft nur so genannten gemeinnützigen Stiftungen wie der Bill Gates Foundation. Danach gab es eine Diskussion, die sich unter anderem um mögliche Allianzen und den Ernährungssouveränitätsbegriff drehten.

Am Nachmittag besichtigten wir bei eisigen Temperaturen den CSA-Hof von Irene (CSA - Community Supported Agriculture, also Konsumenten-Produzenten-Gemeinschaft) am Genfer Stadtrand. Ich persönlich fand es sehr spannend zu hören, wie viele gut und schon lange funktionierende derartige Hofgemeinschaften es in der Schweiz gibt und welche Strukturen dabei möglich sind.

 

Freitag:

Schlussdiskussion. Sie begann mit einem genaueren geschichtlichen Überblick über vorhandene Strukturen wie Reclaim the Fields von Fergal und Morgan. Weiter ging es mit einer Plenumsdiskussion und einigen Entscheidungen:

  • wir wollen eine ECVC Youth Coordination gründen
  • Beschlüsse werden beim nächsten Treffen gefasst

Beziehung mit Reclaim The Fields:

  • ECVC Youth Coordination und RtF sollen einen Weg finden miteinander zu kommunizieren.
  • ECVC Youth Coordination und RtF sollten in einer symbiotischen Beziehung existieren - mit ECVC Youth-Teilnehmern in RtF meetings.

Youth Coordination ECVC - Strukturen und Aufgaben

  • Zwei Vertreter*innen jeder Mitgliedsorganisation - also 48 Mitglieder in der Youth Coordination von ECVC
  • Einrichten einer Arbeitsgruppe, die sich mit Kommunikationsstrukturen und der Organisation des nächsten Treffens beschäftigt. Sie hat folgende Aufgaben:
  • Einrichten und Betreuen einer Emailliste. (Annelies, Fergal)
  • Programmentwicklung und Organisation des nächsten Treffens (Regina, Mira, Claire, Julianna, Bernhard, Benji + Angestellte ECVC)
  • Finanzen/Projektentwicklung (Irene, Fergus, Henrik)
  • Verbindung zum ECVC Coordinating Committee (Jeanne)
  • Internationale Verbindungen (ICC) (Jeanne and Irene)
  • (Liste mit neuen Aktivitäten erweiterbar)
  • Das nächste Treffen sollte direkt vor dem nächsten ECVC General Assembly stattfinden
  • Einrichten einer Jugenseite auf der Homepage von Via Campesina (Annelies and Fergal)

So ich resümieren soll, meine ich, es war sehr spannend zu sehen, was von jungen Leuten in Europa agrarpolitisch passiert, es war sehr wertvoll, sich mit ihnen zu vernetzen und interessant, die Gruppendynamik zu beobachten. Also wohl ein voller Erfolg!

 

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 17. September 2010 )
 
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