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| Saatgut-Kampagne |
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Zukunft säen - Vielfalt erntenWir wollen eine weitere Verschärfung geistiger Eigentumsrechte auf Pflanzen und die Monopolisierung des Saatgutes durch transnationale Konzerne verhindern. Wir rufen zu einer europaweiten Kampagne auf: für gentechnikfreies Saatgut, für die Erhaltung des bäuerlichen Rechts, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen, zu tauschen und zu vermarkten, für Transparenz im Saatgutbereich und für langfristige Ernährungssouveränität.
Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hat die EU-Kommission 2008 begonnen, das EU-Saatgutverkehrsrecht zu überarbeiten. Die Änderungen sollen Ende 2010 in Kraft treten. Unter der Bezeichnung „Better Regulation" will sie beim Saatgutrecht Bürokratie abbauen und die Gesetze vereinheitlichen. Zwölf Richtlinien regeln bisher den Saatgutverkehr in der EU. Jedes Mitgliedsland setzt sie unterschiedlich um. Die EU übertrug die Evaluation der derzeitigen Gesetzgebung privaten Firmen unter Leitung des Consultingbüros „Arcadia", das bereits mehrfach für die Gentechnik-Industrie tätig war. Nach Inkrafttreten der ersten Saatgutverkehrsgesetze in den 1960er Jahren hat das internationale Business den Saatgutmarkt entdeckt. Inzwischen kontrollieren die zehn führenden Saatgut- und Agrarchemiekonzerne - unter ihnen Bayer, Monsanto, Syngenta, Limagrain, BASF - 57% dieses weltweiten Marktes. Sie üben auf die Änderungsvorhaben der EU entscheidenden Einfluss aus.
Neue Bürokratie für alte Sorten
Bisher unterlag der Markt nicht eingetragener Sorten in den meisten Ländern keiner Kontrolle. Deshalb hat die EU-Kommission im Juni 2008 eine Richtlinie für die Erhaltung von Getreide und Kartoffeln vorgelegt, welche die Vermarktung von Landsorten, regional angepassten oder vom Aussterben bedrohten Sorten regeln soll. Dazu zählen auch die meisten Sorten aus biologischer Züchtung, sowie von Bauern und Bäuerinnen selbst gewonnenes Saatgut und Sortengemische. Eine entsprechende Richtlinie für Gemüse soll folgen. Organisationen, die sich für die Erhaltung und Entwicklung der Pflanzenvielfalt und für ökologische Landwirtschaft einsetzen, wurden in der Vorbereitung zwar angehört, aber von ihren Vorschlägen ist kaum etwas übrig geblieben. Die sogenannte „Erhaltungsrichtlinie" verfehlt das
selbstgesteckte Ziel, den Verlust biologischer Vielfalt in der Landwirtschaft aufzuhalten und das Saatgutrecht zu vereinfachen. Zwar ermöglicht sie Züchtern und Züchterinnen endlich regionale Sorten und solche für die biologische Landwirtschaft einzutragen. Sie errichtet aber bürokratische
Diese Anforderungen sollen verhindern, dass die Saatgutindustrie auch nur einen Teil des Marktes an alternatives Saatgut abgeben muss. Wir erwarten, dass nur wenige Sorten, für die sich der bürokratische Aufwand wirtschaftlich lohnt, eingetragen werden. Alle andern sind dann illegal. Besonders betroffen sind Länder wie die Türkei oder Rumänien, in denen ein großer Teil der gebräuchlichen Kulturpflanzen nicht auf den Listen der EU-Staaten steht, weil Bauern, Bäuerinnen und GärtnerInnen das regionale Saatgut selbst gewinnen und vermarkten. Dort hat diese Richtlinie verheerende Auswirkungen. UPOV, der internationale Verband zum Rechtsschutz von Pflanzenzüchtungen, vertritt auf allen Kontinenten die Interessen der europäischen Saatgutindustrie. Setzt dieser mächtige Verband seine Interessen durch, so wird aus der EU-Erhaltungs- Richtlinie bei sinngemäßer Anwendung außerhalb Europas eine regelrechte Verbots-Richtlinie für alles einheimische Saatgut. Geistige Eigentumsrechte auf alle Kulturpflanzen?
Die Saatgutkonzerne fordern die Ausweitung ihrer Privilegien. Wie schon erwähnt, entgehen ihnen noch gut 40% des Marktes durch „illegalen Nachbau", wie sie es nennen, und den Anbau von nicht zugelassenen Sorten. Die Gentechnik bietet für die Industrie eine ideale Lösung, sich geistige Eigentumsrechte zu sichern, weil gentechnisch verändertes Saatgut patentiert und auf den Feldern eindeutig feststellbar ist. Gentech-Konzerne nehmen Bauern und Bäuerinnen unter Vertrag und klagen gegen Landwirte wegen illegalem Nachbau, wenn sie auf deren Feldern Spuren ihrer Patente nachweisen Patente auf Sorten
Auch auf nicht gentechnisch manipulierte Pflanzen haben Saatgutfirmen bereits Patente angemeldet. Beispiele dafür sind die „Antischrumpeltomate" (EP 1069819 B1), antikarzinogen wirkender Brokkoli (EP 1587933 B1) und eine Melone mit besonders hohem Zuckergehalt (EP 1587933 B1). Gegen all diese Patenteintragungen gibt es breite Proteste. Durch die Einführung molekularer Marker würden alle Kulturpflanzen mit einem Schlag patentierbar, der Widerstand gegen einzelne Patente wäre sinnlos. Die Konzerne wollen die Vorteile von Patentenauf Pflanzen auch ohne Gentechnik nutzen.
Die weltweite Situation zwingt uns zum UmdenkenDie in Brüssel ausstehenden Entscheidungen zum Saatgut betreffen nicht nur die Saatgutkonzerne und Landwirte, sie betreffen unser aller Ernährung. Deshalb wollen wir mit unseren Vorschlägen eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit beginnen.
Samen sind Ursprung des Lebens. Jahrtausendelang hat die Vielfalt der Kulturpflanzen die Menschheit ernährt. Für unsere Ernährungssouveränität sind die an uns weitergegebenen Saaten
Für eine Wende in der Agrarpolitik:
Auch weil das Erdöl knapp wird, hat die industrielle Landwirtschaft keine Zukunft. Die Landwirtschaft muss aus dem hohen Energieverbrauch mit Hilfe der Kulturpflanzenvielfalt aussteigen. Sie muss die Bodenfruchtbarkeit wieder in den Mittelpunkt stellen, anstatt durch Überdüngung den Boden zu zerstören und klimaschädliche Lachgase freizusetzen. Allein gentechnikfreies Saatgut erzeugt gentechnikfreie Nahrung. Deshalb fordern wir Nulltoleranz für GVO-Verunreinigungen in gentechnikfreiem Saatgut. In der Überarbeitung des Saatgutverkehrsrechts liegt auch die Chance, mehr Transparenz zu schaffen. Alle gentechnischen und sonstigen Methoden, die bei der Züchtung einer Sorte verwendet wurden, sollen bei ihrer Registrierung bekannt gegeben werden. Die so informierte Öffentlichkeit kann sich auf diese Weise vor unbekannten
Vorschläge für eine europaweite Saatgut-Kampagne
Text des Aufrufs als pdf: A4Saatgutkampagne_sterreich
Weitere Informationen:
Heike Schiebeck, Hof Stopar, Lobnik 16, Bisherige Unterzeichner:IG für eine gentechnikfreie Saatgutarbeit Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, AbL Interessengemeinschaft Nachbau Notkomitee für die Erhaltung der Weizenvielfalt ohne Gentechnik ÖBV-Via Campesina Austria
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| Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 24. November 2009 ) |
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