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Ausgabe 308 PDF Drucken E-Mail

Schwerpunkt "Tiergesundheit"
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Wer die Schweine hüten will, sollte zu grunzen verstehen!    von Dr. Christine Leeb

Grunzen muss es ja nicht gleich sein, aber sich einfühlen in die Bedürfnisse dieser besonders netten Tierart sind wesentlich, um das Glück von Schwein und Schweinehirten vollkommen werden zu lassen!

Mein erster, besonderer und für die weitere Laufbahn wesentlicher Kontakt mit Schweinen geschah als Studentin, als ich beschloss, im Sommer auf einer Milchviehalm als Sennerin zu arbeiten und dazu nicht nur eine Ziege, sondern auch zwei Mangalitzaferkel als Begleitung mitzunehmen. „Emma und Erna" und deren Nachfolger verschiedenster Rassen in vier weiteren Sommern begeisterten mich nicht nur für diese Tierart, ihr vielfältiges Verhalten und Intelligenz, sondern ermöglichten mir wichtige Erfahrungen zum Normalverhalten und zum Erkennen von Gesundheit beim Schwein.

 

Beim Zusammenleben auf der Alm war es uns möglich, den Tagesablauf unserer Schweine zu erfahren und ihr Verhalten in verschiedensten Situationen zu beobachten: Meist wurde im Stroh nebeneinander liegend lange geschlafen. Erst nachdem wir mit dem Melken der Kühe fertig waren, kamen die Schweine aus ihrer Bucht. Nachdem etwas Gerstenschrot gefressen war, marschierten die beiden zu einem Kotplatz, dann wurde ausgiebig die Gegend erkundet und gewühlt. Wenn es gegen Mittag heißer wurde, wurde ein Schlammbad zum Suhlen angelegt, worauf Mittagschlaf folgte. Erst am Nachmittag ging es mit der Aktivität wieder los- ausgiebiges Scheuern, um die Schlammkrusten abzukratzen, wieder ausgiebig wühlen, knabbern, kauen, wandern und erkunden - immer zu zweit. Bei einbrechender Dunkelheit waren unsere Schweine meist schon von selbst wieder in ihrem Strohbett zu finden.

 

Anhand dieses „freien Lebens", kann man auch für Schweine unter begrenzteren Bedingungen Forderungen ableiten, die unbedingt zu beachten sind: Als soziale Tierart wollen Schweine alles gleichzeitig und gemeinsam tun- also: für jedes Schwein ein bequemer Schlafplatz und ein geschützter Freßbereich! Schweine sind saubere Tiere, eine Trennung von Liege- und Kotbereich daher wesentlich! Das Suhlen im Schlamm dient der Abkühlung im Sommer, denn Schweine haben keine Schweißdrüsen! Die aktive Zeit untertags wird vor allem mit Knabbern und Wühlen verbracht - dies ist für Schweine ein wichtiges Bedürfnis! Tiere im Stall sollten daher viel abwechslungsreiches Stroh, Heu, Silage und Gras erhalten, um Knabbern, Kauen und Erkunden zu ermöglichen, richtiges Wühlen hingegen ist nur in Freilandhaltung möglich.

Auch zur Erkennung von Wohlbefinden ist das Verhalten ein wichtiger Parameter - tun alle Tiere das gleiche? Ist der Tagesrhythmus normal, oder bleibt ein Tier liegen, wenn alle anderen fressen? Auch besonders gut gelaunte Tiere kann man erkennen- so zum Beispiel, wenn Schweine spielen: nicht nur kleine Ferkel können dann bei ausgelassenen  Laufspielen beobachtet werden!

Wie bei uns am Beginn des ersten Almsommers steht oft der Kauf der Tiere - in der ersten Begeisterung wird oft genommen, was einem angeboten wird - dabei ist es sicher sinnvoll, sich davor zu überlegen, für wie viele Tiere überhaupt Platz ist („mehr Platz ist mehr Tiergesundheit"), dass Schweine auf keinen Fall alleine gehalten werden dürfen (mindestens zwei, drei Tiere) und welche Rasse zu den Bedingungen auf dem Betrieb überhaupt passt (z.B. pigmentierte Schweine für Freilandhaltung).

Außerdem sind ein gutes Auge und das richtige „Gspür" wichtig, um gesunde, kräftige Ferkel auszusuchen, die für den Transport und die Umstellung auf die neue Umgebung gut gerüstet sind. Dazu ist es auch sinnvoll, die Tiere einer Gruppe zu vergleichen, um Unterschiede erkennen zu können. Die Ferkel sollten schon ca. 30kg wiegen, gut fressen und den Eindruck eines „rosa, runden Schweins mit Ringelschwanz" erwecken. Diese Beschreibung fasst vieles zusammen, was Gesundheit beim Schwein ausmacht und auch allgemein zur Erkennung von ersten Anzeichen einer Erkrankung hilft.

 

Was sollte ich auf jeden Fall tun, wenn ich ein Schwein habe?

Eigentlich gibt es kaum Impfungen und Behandlungen, die für alle Tiere auf allen Betrieben anwendbar und daher zu empfehlen sind. Je nach Situation ist es aber empfehlenswert, Kotproben auf Parasiteneier untersuchen zu lassen und dem Ergebnis entsprechend die Tiere zu entwurmen.  Je nach Gesundheitsstatus der Zuchtherde und Lage des Betriebes kann es empfehlenswert sein, die Zuchtsauen im Frühling gegen Rotlauf zu impfen, da diese Erkrankung doch sehr häufig vorkommt. Gleichzeitig kann auch gegen Parvo, eine zweite sehr weit verbreitete Erkrankung, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigt und zu kleinen Würfen und mumifizierten Föten führt, geimpft werden.

 

Wie rund soll mein Schwein sein?

Meist ist bei der Mast ein optimal wachsendes Schwein das Ziel, dabei spielt die Rasse und deren Wachstumspotential eine wichtige Rolle und die Ernährung sollte die Bedürfnisse des Tieres erfüllen. Angestrebt wird ein „rundes Schwein" mit gefülltem Bauch, bei dem aber noch die Hüften durch ein wenig Druck mit dem Zeigefinger zu spüren sind. Speziell zu fette Zuchtsauen und zu schnell wachsende Mastschweine erkranken leichter an Lahmheiten, neigen zu Kreislaufproblemen und sind weniger fruchtbar. Keinesfalls aber sollten die Wirbelsäulen oder die Hüfthöcker zu sehen sein, denn dies kann auf unzureichende Ernährung, Parasitenbefall oder Allgemeinerkrankungen hinweisen und führt zu wunden Stellen und verringerter Fruchtbarkeit.

 

Was mache ich, wenn mein Schwein plötzlich „rote Punkte" hat oder sich die Ohren blau verfärben? Dies kommt immer wieder einmal vor - führt aber häufig - so auch damals bei uns auf der Alm - zu Erschrecken. Eine gesunde, rosa Farbe der Haut, bei pigmentierten Rassen der Schleimhaut z.B. der Rüsselscheibe ist beim Schwein Ausdruck bester Gesundheit. Blässe kann auf Eisenmangel oder reduzierte Abwehrkräfte hindeuten und blaue Verfärbung auf Kreislaufprobleme. Verstärkte Rötung entsteht durch örtliche Entzündungsprozesse (z.B. Sonnenbrand: flächenhafte Rötung am Rücken und Ohren), Infektionskrankheiten (z.B. Rotlauf: rautenförmige Rötungen) oder Parasiten (z.B. Räudemilben: rote Punkte, kombiniert mit Juckreiz). Auch Fieber kann so erkannt werden: Besonders, wenn das Tier nicht frisst, sollte man das Tier genauer anschauen und Fieber messen. Dabei ist zu beachten, dass sich Schweine, wenn sie festgehalten werden schnell aufregen und die Temperatur dann steigt. Außerdem haben verschiedene Altersklassen verschiedene Körpertemperatur (Ferkel mit ca. 30kg: ca. 39,3°C, ein Mastschwein ca. 39°C, eine Sau 39,3-39,8°C).  Bei Unsicherheit sollte auf jeden Fall der Tierarzt gefragt werden, denn oft kann dann rasch gehandelt werden!

 

Was tun, wenn die Ferkel Durchfall haben?

Bei ersten Anzeichen von Unbehagen hängt der - normalerweise geringelte - Schwanz bei Ferkeln und Mastschweinen nach unten. Dies kann vor allem bei beginnendem Durchfall zu sehen sein. Besonders bei frisch abgesetzten Ferkeln, meist etwa eine Woche nach der Trennung von der Mutter, sollte dann besonders gut beobachtet werden, um im Notfall rasch handeln zu können. Etwas breiiger Kot ist durch die Umstellung zu erwarten. Durch gute und rechtzeitige Gewöhnung der Ferkel an festes Futter, verlängerte Säugezeit und Fütterung der Absetzer nach Bedarf (nicht zu viel auf einmal, aber auch keine langen Hungerzeiten) kann diesem Problem oft vorgebeugt werden. Frühzeitig erkannt, kann den Tieren durch die Gabe von gutem Heu, Gras, Erde und Flüssigkeit (frisches Wasser, ev. auch Milch) geholfen werden. Ist jedoch die Farbe, der Geruch oder die Beschaffenheit des Kotes stark verändert, sollte rasch der Tierarzt gerufen werden.

 

Mein Schwein hustet- was kann das sein?

Das erste Anzeichen einer beginnenden Atemwegserkrankung sind Augenausfluss oder eine Entzündung der Augenbindehaut, die man an einer sichtbaren Rötung erkennen kann. Dazu kann dann auch Niesen und Husten kommen - spätestens dann sollte gehandelt werden. Zunächst geht es darum, die möglichen Ursachen, wie Staub, einen kalten, zugigen Liegebereich, hohe Ammoniakkonzentration zu erkennen und zu beseitigen. Kranke Tiere können phytotherapeutisch oder homöopathisch behandelt werden, bei Fieber sollte auf jeden Fall der Tierarzt gerufen werden. Zusätzlich kann dann versucht werden, den Krankheitserreger (z.B. „Schnüffelkrankheit") zu identifizieren und eventuell die Tiere dagegen zu impfen.

 

Die Sau hinkt!

Oft bemerkt man eine Lahmheit erst dann, wenn das Tier nicht mehr aufstehen kann oder einen Fuß nicht mehr belastet - dann kann es zu spät sein! Daher ist rechtzeitige Erkennung von Lahmheiten auch beim Schwein sehr wichtig:

Ein gesundes Schwein sollte gerade gehen, was man am besten von der Seite und von hinten auf ebener Fläche bei normaler Gehgeschwindigkeit des Tieres beobachtet. Alle Füße sollen gleichmäßig belastet werden, alle Schritte gleich lang sein und der Rücken gerade bleiben. Auch von hinten gesehen soll das Schwein in einer Linie gehen. Zu lange Klauen können Lahmheiten verursachen oder durch die Fehlbelastung der Füße zu Klauenrissen und Infektionen führen. Nach Bedarf sollten daher die Klauen fachgerecht geschnitten werden.

 

Irgendwann ist dann das kleine Ferkel ein wunderschönes Mastschwein, das man - je nach Intensität des Zusammenlebens  - kennen und lieben gelernt hat. Bei uns auf der Alm konnten wir uns daher im ersten Jahr nicht dazu entscheiden, die Tiere zu schlachten und zu essen. Deshalb hatten wir zwei weibliche Tiere ausgeliehen, die am Ende des Sommers als potentielle Jungsauen zurück zum Züchter gingen. In den Jahren darauf beschlossen wir, die Tiere vor Ort schlachten zu lassen und sie selbst zu verarbeiten - keine leichte Entscheidung, doch die logische Konsequenz, wenn man als „Fleischesser" Wert darauf legt, dass die Tiere während ihres Lebens achtsam behandelt und gehalten werden.

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 8. Juli 2010 )
 
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