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Ausgabe 309 PDF Drucken E-Mail

Schwerpunkt Milch
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Sojamilchprodukte als Alternative zur „Burgenland Mülch"?  von Marion Schönfeldinger

Ende 2008 wurde auf EU-Ebene beschlossen, dass die Quotenregelung für Milchprodukte im Jahr 2015 auslaufen wird. Bereits ab 2009 soll die Quote um jeweils 1% pro Jahr erhöht werden. Dies hatte zur Folge, dass es auf dem europäischen Milchmarkt zu einem Überangebot an Milch kam, was zu sinkenden Milchpreisen führte.

 

 

Diese Entwicklung bekamen auch die südburgenländischen Milchbauern und -bäuerinnen zu spüren, indem plötzlich niemand mehr ihre jährlich produzierten 16 Millionen Liter Milch haben wollte. Bei den südburgenländischen Bauern und Bäuerinnen kam allerdings noch ein regionales Problem hinzu: Ihre Molkerei - die MONA Oberwart Produktions GmbH - kam ihnen abhanden, da mit Ende März 2009 der Milchvertrag mit der MONA GmbH auslief, was dazu führte, dass im Dezember 2008 die letzte Kuhmilch in der Molkerei Oberwart abgefüllt wurde. Das Milchgeschäft wurde mittlerweile mit der MGN (Milchgenossenschaft Niederösterreich) abgewickelt und die Milch an die NÖM (Niederösterreich Milch) geliefert. Die MGN hatte allerdings ebenfalls das Problem, dass sie ohnehin schon an Milch überversorgt war, was den Geschäftsführer von MGN Leopold Gruber-Doberer am 13.3. 2009 zu folgender Aussage veranlasste: „Für fünf Millionen Liter, welche für die „Burgenland Mülch" benötigt wird, hätte man Verwendung, die 138 Milchbauern produzieren aber rund 16 Millionen Liter jährlich. Wir sind selbst mehr als versorgt und können mehr Milch einfach nicht brauchen." Mittlerweile sieht es so aus, dass die MGN den 138 Bauern und Bäuerinnen für 18 Monate die Abnahme ihrer Milch zu einem Preis garantieren, der sich aus dem bisherigem Molkereipreis von ca. 45 Cent und dem jeweiligem Weltmarktpreis für Milch errechnet. „Aufgrund der derzeitigen Preislage ergibt dies einen Bauernmilchpreis von 25 Cent je Liter Milch" erklärte dazu der neue burgenländische Agrar-Landesrat Falb-Meixner. Selbst Polititker haben diesen Preis als „inakzeptabel" bezeichnet, angesichts von Produktionskosten von 40 Cent. Deshalb werden in diesen 18 Monaten 200.000 Euro vom Land Burgenland und der NÖM zugeschossen, um den Verdienstausfall etwas abzufedern. Nach den 18 Monaten - also Ende 2010 - können die südburgenländischen MilchbäuerInnen dann Vollmitglieder bei der Molkereigenossenschaft Niederösterreich werden, vorausgesetzt sie haben es überlebt.

 

Doch wie kam es zu dieser Situation? Im Jahre 1926 wurde die Genossenschaftsmolkerei Oberwart gegründet, welche sich auf die Produktion von Käse spezialisierte und bis zum Ende des letzten Jahrhunderts Hauptabnehmerin von 300 burgenländischen Milchbauern und -bäuerinnen war, die vorwiegend im Südburgenland (Bezirke Oberwart, Güssing, Jennersdorf) wirtschafteten. Angesichts der Liberalisierung des Milchmarktes in den 90er Jahren wurde 1991 von den Genossenschaftern der Molkerei Oberwart die MONA Nahrungsmittel GmbH gegründet, zuständig für den Vertrieb der Kuhmilchprodukte. Mitte der 90er Jahre entschloss man sich selbständig auf dem Markt aufzutreten und beauftragte eine Marketingfirma mit der Einführung der Regionalmarke "Südburgenlandmilch", welche im Jahre 1997 erfolgte. Bereits zwei Jahre später wurden 51 % von der MONA Nahrungsmittel GmbH an die Verantwortlichen der Marketingfirma übertragen und damit hatte die Genossenschaft keine Entscheidungsgewalt mehr über den Milchbereich. Im Jahr 2003 wurde die Firma "MONA Naturprodukte" als zweites Standbein gegründet, welche sich auf Sojamilch spezialisierte. Anfang 2005 wurden schließlich die restlichen 49 % der Molkerei Oberwart von der ehemaligen Tochtergesellschaft - dem mittlerweile zur MONA Gruppe angewachsenem Firmenkonsortium - übernommen. Die MONA Gruppe unter der Leitung von Matthias Krön wurde damit zur alleinigen Entscheidungsträgerin und leitete daraufhin einen umfassenden Sanierungsprozess ein. Durch die Übernahme der MONA Gruppe wurde die bis dahin genossenschaftlich organisierte Molkerei im Prinzip handlungsunfähig. Im Wirtschaftsblatt von 19.3. 09 steht dazu: "Um den Fortbestand des Unternehmens und gleichzeitig die Sicherung der Arbeitsplätze sowie die Milchversorgung der Region zu garantieren, wurde die Molkerei Genossenschaft in eine Besitzgenossenschaft umgewandelt. Es entstand die neue "Molkerei Oberwart Produktions GmbH", die sowohl der MONA Gruppe als auch der Molkerei Seifried (zu 25,1 %) gehörte. Mittels Investitionen in Höhe von rund 3 Millionen Euro konnten die neuen Eigentümer seither nicht nur den Molkereibetrieb sichern, sondern auch umfassend sanieren und modernisieren." Der Milchproduktion wurde mittels der neuen Marke "Burgenland Mülch" ein neues Design verpasst und der Sojabereich wurde ebenfalls ausgebaut und gefestigt. Im August 2007 schließlich wurde auch die Beteiligung der Molkerei Seifried von der MONA Gruppe erworben. Die Geschäftsführer der MONA-Gruppe waren stolz darauf, "dass die Molkerei nun wieder gänzlich unabhängig agieren kann und sich voll auf die beiden Schwerpunkte Soja und "Burgenlandmilch" konzentrieren kann." (wirtschaftsblatt 19.3.2008)

 

Nur ein halbes Jahr später - im März 2008 - wollte man sich scheinbar nicht mehr so stark auf die "Burgenlandmilch" konzentrieren, denn der gesamte Kuhmilchbereich der MONA Gruppe wurde an die NÖM AG verkauft, der zweitgrößten österreichischen Milcherzeugerin mit einem Jahresumsatz von 336 Mio Euro (2007). Wie in der Presse zu lesen war, konzentriert sich MONA nun am Standort Oberwart auf den wachsenden Soja Bereich mit den 2 behaltenen Unternehmensteilen "MONA Naturprodukte GmbH", welche für den Vertrieb und die Produktentwicklung von Sojaprodukten mit der eigenen Marke JOYA für Österreich und Südosteuropa und mit Handelsmarken für Westeuropa zuständig ist und der "Molkerei Oberwart Produktions GmbH", welche die Produktion von Sojaprodukten betreibt. Die MONA Gruppe will den Molkerei-Standort in Oberwart weiter betreiben und in den kommenden zwei bis drei Jahren in einen reinen Soja-Standort umbauen. Mehrere Millionen würden laut Geschäftsführer Krön in die dafür erforderlichen Produktionsanlagen investiert und der Mitarbeiterstand könnte im Zuge des Umbaus zum Sojaspezialisten um bis zu 50 % steigen. Zwei bis fünf % des Umsatzes sollen in Forschung und Entwicklung fließen. Vor dem Verkauf erwirtschaftete die MONA Gruppe 2007 einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro (1/3 der NÖM), wobei 65 Mio Euro auf den Kuhmilchbereich und 35 Millionen Euro auf den Sojabereich fielen. Bis 2010 soll sich der Sojaprodukte-Umsatz von den 35 Mio. Euro auf rund 80 Mio Euro verdoppeln. 

 

Grundsätzlich könnte man ja sagen, dass es legitim ist, sich auf einen Wirtschaftszweig zu spezialisieren, dem so wie dem Sojamilchbereich hohe Wachstumsraten prognostiziert werden. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass in diesem speziellen Fall der Sojabereich kontinuierlich auf Kosten der Kuhmilch ausgebaut wurde. Der genossenschaftliche Milchsektor war zwar gut dafür, um Förderungen und Zuschüsse für den Aufbau neuer Milchmarken wie die „Burgenlandmülch" vom Land zu erhalten, ihre Mitspracherechte hatten die Genossenschafter der Molkerei Oberwart aufgrund der Unternehmensentwicklung allerdings verloren. Durch die kontinuierliche Abgabe der Entscheidungsgewalt an die ehemalige Tochterfirma, die MONA Nahrungsmittel GmbH (1999: 51%; 2005: 49%) waren die Genossenschafter der Molkerei Oberwart nicht mehr in der Position, Unternehmensentscheidungen mit zu fällen.

 

Auch wenn es in Krisenzeiten schwierig ist,  als kleine regionale Molkerei zu bestehen, sollte es trotzdem möglich sein durch den Aufbau einer langfristigen Partnerschaft zwischen Bauern bzw. Bäuerinnen, der Molkerei, dem Handel und den KonsumentInnen einen Unternehmensstandort mithilfe einer guten Regional-Marke abzusichern. Ob diese langfristige partnerschaftliche Zusammenarbeit über einen Vertragsanbau mit den Bauern und Bäuerinnen nun im Sojamilchbereich stattfinden wird, in dem MONA den LandwirtInnen gentechnikfreie und österreichische Sojabohnen (größter Teil aus dem Burgenland stammend) abnehmen wollen, wird sich zeigen. Im Kuhmilchbereich hat diese langfristige partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den regionalen Milchbauern und -bäuerinnen jedenfalls nicht stattgefunden.

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 8. Juli 2010 )
 
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