Schwerpunkt Direktvermarktung
"Wenn sie von leckeren Gerichten schwärmen" von Rosemarie Steinmayr
Ich bin in einer stattlichen Marktgemeinde
auf einem Bauernhof südlich der Donau aufgewachsen, habe einen kaufmännischen
Beruf erlernt und sofort nach der Lehrzeit eine Fachschule für Sozialberufe
absolviert. Anschließend war ich 7 Jahre in meinem Beruf. Zu
dieser Zeit wollte ich nicht Bäuerin werden.
Durch die Liebe zu meinem Mann freundete
ich mich mit diesem Gedanken an und heiratete auf einem Hof im Mühlviertel ein.
Mein Mann war im elterlichen Betrieb als Hoferbe vorgesehen, da er auch der
einzige Sohn war. Die Größe unseres Betriebes, cirka 12 ha landwirtschaftlicher
Nutzgrund, machte es notwendig, unseren Betrieb im Nebenerwerb zu führen. Mein
Mann war und ist Sozialarbeiter. Der Betrieb wurde als Milchviehbetrieb mit 8 -
10 Kühen geführt, so haben wir ihn auch übernommen und ca 13 Jahre so
weitergeführt. Der Schwiegervater starb schon ein Jahr nach unserer Hochzeit an
einer Krebserkrankung. Am Betrieb halfen noch die Schwiegermutter mit und eine
Tante - sie war am Hof geblieben. Vier aufgeweckte Kinder brachten Leben in
unser Haus.
Die Umstellung
In uns reifte schon lange der Gedanke,
unseren Betrieb auf Bio umzustellen. 1995 war es soweit und gleichzeitig verkauften
wir unser Milchkontingent und stellten auf Mutterkuhhaltung um. Truthahnmast
hatten wir schon seit 1986 in kleinem Rahmen mit anfangs 10 Stück betrieben.
Jedes Jahr steigerten wir die Anzahl ein kleinwenig und verkauften die Tiere
unter unseren Verwandten und FreundInnen. Bald merkten wir, dass dieses Produkt
großen Anklang fand. Und da begann die Arbeit für mich interessant zu werden.
Das Verkaufen hatte ich schließlich gelernt. Durch die Umstellung auf Bio
konnte ich mich gut als Bäuerin identifizieren und mit der Zeit bekam der Hof
immer mehr unsere Handschrift.
Durch die steigenden Vorschriften sahen wir
uns vor die Entscheidung gestellt, einen Schlachtraum zu bauen oder
aufzuhören. Denn Truthühner auf einen anderen Betrieb zu bringen um sie zu schlachten
erschien uns zu umständlich. Auch wollten wir die Jungrinder aus der Mutterkuhhaltung
selbst schlachten und vermarkten. So entschieden wir uns 1997 für den Bau einer
gemeinschaftlichen Schlachtanlage auf unserem Betrieb. Durch die Gemeinschaft war
dieser finanzierbar und wirtschaftlich zu führen. Für uns hat sich durch die
Mutterkuhhaltung die Stallarbeit minimiert. Die Truthühner waren bei der
Versorgung nicht an eine bestimmte Uhrzeit gebunden.
Unsere Truthühner mästen wir in zwei
Perioden pro Jahr (Sommer und Winter). Jährlich verkaufen wir 350 bratfertige
Tiere und 8 Jungrinder; alles ist vorbestellt. Die KonsumentInnen werden
zeitgerecht von mir angerufen und der Termin zur Abholung vereinbart.
Die Schlachtung bedeutet jedes Mal eine große Herausforderung für
mich, denn die Fleischarbeit ist auch eine kalte Arbeit. Das Putzen in der
Kälte ist für mich auch immer wieder eine Überwindung - dass ist alles nicht so
wirklich meine Lieblingsbeschäftigung. Wenn dann die ersten KundInnen kommen und
mir vom guten Fleisch und von den leckeren Gerichten vorschwärmen, die sie
gekocht haben und Gefallen finden an unserem Bauernhof und unserer
Wirtschaftsweise - dann weiß ich wieder , dass ich
diese Arbeit sehr gerne mache.
Die zwei Seiten einer Medaille
Produktion und der Verkauf sind die eine
Seite der Medaille, die andere ist die Bürokratie und die macht mir öfter schon
ganz schön zu schaffen. Auf unserem Betrieb sind es beispielsweise - je nach
Zählart - zwischen 12 und 15 Stellen/Behörden/Ämter, die in cirka 20
verschiedenen Angelegenheiten Kontrollen durchführen (können). Schon daraus ist
ersichtlich, welcher Wildwuchs sich hier schon breit gemacht hat. Es ist schier
unmöglich, über alle geforderten rechtlichen Details informiert zu sein und
alles termingerecht zu erledigen. So bleibt immer ein psychisch belastendes
Gefühl der Unsicherheit, ob im Falle einer jederzeit möglichen Kontrolle auch
alles in Ordnung ist. Auf so einem Betrieb im Nebenerwerb, mit zwei
mittlerweile alten Frauen (um die 80 Jahre), Kindern die bei Studium und
Ausbildung auswärts sind und Umbauarbeiten - schließlich soll der Hof auch von
außen etwas darstellen und gepflegt sein - fehlt oft die Zeit für die Arbeit am
Schreibtisch.
Und so gehe ich öfters mit schlechtem
Gewissen ins Bett, es wieder nicht geschafft zu haben, dass alles jederzeit
einer Kontrolle standhalten kann. Ich hab auch schon gelernt, dass es nicht so
günstig ist, nachzufragen bei Unklarheiten (die Vorschriften ändern sich
ständig), denn das heißt dann gleich Betriebskontrolle und macht zusätzlich
Stress. Mittlerweile ist zwar meine Haut schon etwas dicker geworden, doch das
kleinkarierte Denken mancher Stellen in unserem Land stößt mir sauer auf,
angesichts der wirklichen Probleme dieser Welt.
Ich will auch nicht herum jammern,
denn meine Arbeit als BIO-Bäuerin mache ich gerne, mich freut es, unsere
Produkte direkt an den KonsumentInnen weitergeben zu können und unmittelbar zu
erfahren, ob wir am richtigen Weg sind. Die Wertschätzung unsererseits den
cirka 500 KundInnen gegenüber und umgekehrt, dass die KundInnen unsere Produkte
schätzen, ist ein zentraler Aspekt unserer Betriebsphilosophie.
Zum Schluss möchte ich noch anfügen, dass
wir in der glücklichen Lage sind, einen Hofnachfolger -nach Beendigung seines
Studiums an der Boku in Wien - in Aussicht zu haben. Er steht voll hinter
unserer Wirtschaftsweise und er gibt uns schon so manchen Denkanstoß zu noch
mehr nachhaltigem Wirtschaften. Es ist jedenfalls ein gutes Gefühl zu wissen,
dass die eigene Aufbauarbeit und der Betrieb eine Zukunft haben.
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