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Ausgabe 310 PDF Drucken E-Mail

Schwerpunkt Direktvermarktung 
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"Wenn sie von leckeren Gerichten schwärmen"  von Rosemarie Steinmayr

 

Ich bin in einer stattlichen Marktgemeinde auf einem Bauernhof südlich der Donau aufgewachsen, habe einen kaufmännischen Beruf erlernt und sofort nach der Lehrzeit eine Fachschule für Sozialberufe absolviert. Anschließend war ich 7 Jahre in meinem Beruf. Zu dieser Zeit wollte ich nicht Bäuerin werden.

 

 

Durch die Liebe zu meinem Mann freundete ich mich mit diesem Gedanken an und heiratete auf einem Hof im Mühlviertel ein. Mein Mann war im elterlichen Betrieb als Hoferbe vorgesehen, da er auch der einzige Sohn war. Die Größe unseres Betriebes, cirka 12 ha landwirtschaftlicher Nutzgrund, machte es notwendig, unseren Betrieb im Nebenerwerb zu führen. Mein Mann war und ist Sozialarbeiter. Der Betrieb wurde als Milchviehbetrieb mit 8 - 10 Kühen geführt, so haben wir ihn auch übernommen und ca 13 Jahre so weitergeführt. Der Schwiegervater starb schon ein Jahr nach unserer Hochzeit an einer Krebserkrankung. Am Betrieb halfen noch die Schwiegermutter mit und eine Tante - sie war am Hof geblieben. Vier aufgeweckte Kinder brachten Leben in unser Haus.

 

Die Umstellung

In uns reifte schon lange der Gedanke, unseren Betrieb auf Bio umzustellen. 1995 war es soweit und gleichzeitig verkauften wir unser Milchkontingent und stellten auf Mutterkuhhaltung um. Truthahnmast hatten wir schon seit 1986 in kleinem Rahmen mit anfangs 10 Stück betrieben. Jedes Jahr steigerten wir die Anzahl ein kleinwenig und verkauften die Tiere unter unseren Verwandten und FreundInnen. Bald merkten wir, dass dieses Produkt großen Anklang fand. Und da begann die Arbeit für mich interessant zu werden. Das Verkaufen hatte ich schließlich gelernt. Durch die Umstellung auf Bio konnte ich mich gut als Bäuerin identifizieren und mit der Zeit bekam der Hof immer mehr unsere Handschrift.

 

Durch die steigenden Vorschriften sahen wir uns vor die Entscheidung gestellt, einen Schlachtraum zu bauen oder aufzuhören. Denn Truthühner auf einen anderen Betrieb zu bringen um sie zu schlachten erschien uns zu umständlich. Auch wollten wir die Jungrinder aus der Mutterkuhhaltung selbst schlachten und vermarkten. So entschieden wir uns 1997 für den Bau einer gemeinschaftlichen Schlachtanlage auf unserem Betrieb. Durch die Gemeinschaft war dieser finanzierbar und wirtschaftlich zu führen. Für uns hat sich durch die Mutterkuhhaltung die Stallarbeit minimiert. Die Truthühner waren bei der Versorgung nicht an eine bestimmte Uhrzeit gebunden.

Unsere Truthühner mästen wir in zwei Perioden pro Jahr (Sommer und Winter). Jährlich verkaufen wir 350 bratfertige Tiere und 8 Jungrinder; alles ist vorbestellt. Die KonsumentInnen werden zeitgerecht von mir angerufen und der Termin zur Abholung vereinbart.

 

Die Schlachtung bedeutet jedes Mal eine große Herausforderung für mich, denn die Fleischarbeit ist auch eine kalte Arbeit. Das Putzen in der Kälte ist für mich auch immer wieder eine Überwindung - dass ist alles nicht so wirklich meine Lieblingsbeschäftigung. Wenn dann die ersten KundInnen kommen und mir vom guten Fleisch und von den leckeren Gerichten vorschwärmen, die sie gekocht haben und Gefallen finden an unserem Bauernhof und unserer Wirtschaftsweise - dann weiß ich wieder , dass ich diese Arbeit sehr gerne mache.

 

Die zwei Seiten einer Medaille

Produktion und der Verkauf sind die eine Seite der Medaille, die andere ist die Bürokratie und die macht mir öfter schon ganz schön zu schaffen. Auf unserem Betrieb sind es beispielsweise - je nach Zählart - zwischen 12 und 15 Stellen/Behörden/Ämter, die in cirka 20 verschiedenen Angelegenheiten Kontrollen durchführen (können). Schon daraus ist ersichtlich, welcher Wildwuchs sich hier schon breit gemacht hat. Es ist schier unmöglich, über alle geforderten rechtlichen Details informiert zu sein und alles termingerecht zu erledigen. So bleibt immer ein psychisch belastendes Gefühl der Unsicherheit, ob im Falle einer jederzeit möglichen Kontrolle auch alles in Ordnung ist. Auf so einem Betrieb im Nebenerwerb, mit zwei mittlerweile alten Frauen (um die 80 Jahre), Kindern die bei Studium und Ausbildung auswärts sind und Umbauarbeiten - schließlich soll der Hof auch von außen etwas darstellen und gepflegt sein - fehlt oft die Zeit für die Arbeit am Schreibtisch.

Und so gehe ich öfters mit schlechtem Gewissen ins Bett, es wieder nicht geschafft zu haben, dass alles jederzeit einer Kontrolle standhalten kann. Ich hab auch schon gelernt, dass es nicht so günstig ist, nachzufragen bei Unklarheiten (die Vorschriften ändern sich ständig), denn das heißt dann gleich Betriebskontrolle und macht zusätzlich Stress. Mittlerweile ist zwar meine Haut schon etwas dicker geworden, doch das kleinkarierte Denken mancher Stellen in unserem Land stößt mir sauer auf, angesichts der wirklichen Probleme dieser Welt.

 

Ich will auch nicht herum jammern, denn meine Arbeit als BIO-Bäuerin mache ich gerne, mich freut es, unsere Produkte direkt an den KonsumentInnen weitergeben zu können und unmittelbar zu erfahren, ob wir am richtigen Weg sind. Die Wertschätzung unsererseits den cirka 500 KundInnen gegenüber und umgekehrt, dass die KundInnen unsere Produkte schätzen, ist ein zentraler Aspekt unserer Betriebsphilosophie.

Zum Schluss möchte ich noch anfügen, dass wir in der glücklichen Lage sind, einen Hofnachfolger -nach Beendigung seines Studiums an der Boku in Wien - in Aussicht zu haben. Er steht voll hinter unserer Wirtschaftsweise und er gibt uns schon so manchen Denkanstoß zu noch mehr nachhaltigem Wirtschaften. Es ist jedenfalls ein gutes Gefühl zu wissen, dass die eigene Aufbauarbeit und der Betrieb eine Zukunft haben.

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 8. Juli 2010 )
 
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