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| Farming Women |
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Gender, Work and Family Enerprise. Sarah Whatmore Palgrave Macmillan, Bristol, 1990, 256 Seiten (leider vergriffen) Sprache: Englisch
ISBN-10 0333525469
Buchrezension: Farming Women von Sarah Whatmore Von Sophie Kickinger und Angela Weikmann Gegenstand des Buches „Farming Women - Gender, Work and Family Enterprise" ist die Lage der Bäuerinnen in der Landwirtschaft. Die Geographin und Städteplanerin Sarah Whatmore ergänzt darin den Diskurs über die Beständigkeit bäuerlicher Familienbetriebe durch eine feministische Kritik an der politischen Ökonomie. Das Buch wurde 1991 in englischer Sprache veröffentlicht. Es wurde nie übersetzt oder neu aufgelegt, heute ist das Buch vergriffen. Whatmore geht der Frage nach, warum bäuerliche Betriebe bis heute als solche bestehen. Dazu gibt es die sogenannte constraints thesis, die den Grund darin sieht, dass die Betriebe durch natürliche Rahmenbedingungen eingeschränkt sind am kapitalistischen Verwertungsprozess teilzunehmen. Dem gegenüber sucht die resilience thesis den Grund innerhalb des bäuerlichen Familienbetriebs. Whatmore hält beide Ansätze für unzureichend, weil sie hauptsächlich das Ausmaß der so genannten Kommoditisierung, die Ausrichtung auf die Warenproduktion, berücksichtigen und die soziale Dimension, die Beziehungen und Arbeitsteilungen innerhalb eines Betriebs nicht thematisieren. Sie fordert daher eine Erweiterung der Ansätze, um die Aspekte der geschlechtlichen Arbeitsteilung und der Machtverhältnisse im bäuerlichen Familienbetrieb. Whatmore geht davon aus, dass Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aus dem Zusammenspiel zweier autonomen Systeme resultieren: dem Patriarchat und dem Kapitalismus. Die Familie stellt darin ein ideologisch aufgeladenes Konstrukt aus Verwandtschaft und Haushaltsorganisation dar, das auf einer ehelichen, heterosexuellen Paarbeziehung beruht. Dies führt die Autorin zum theoretischen Rahmen in dem sie den empirischen Teil der Arbeit aufspannt. Dabei trennt sie die Arbeit im bäuerlichen Familienbetrieb in 4 Arbeitskreisläufe: landwirtschaftliche Arbeit, Haushalt, nicht-landwirtschaftliche Arbeit am Hof (z.B. Zimmervermietung) und Arbeit, die nicht am Hof stattfindet (Nebenerwerb). Im Rahmen der Publikation wurden in zwei Regionen Südenglands Frauen mittels Fragebogen über ihre Erfahrung als Bäuerinnen befragt. Außerdem wurden mit den Bäuerinnen von sechs Betrieben Interviews geführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Frauen in den untersuchten Betrieben einen Großteil der Haushaltsarbeit erledigen (Kinderbetreuung, Kochen, Hausarbeit, Wäsche waschen, Einkaufen). Gleichzeitig tragen die Frauen am Hof einen wesentlichen Anteil zur landwirtschaftlichen Arbeit bei: Frauen leisten einen großen Anteil der administrativen Arbeit (Buchhaltung, Anrufe,...), arbeiten aber bei der manuellen Arbeit eher nur bei saisonalen Arbeiten mit. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitsaufteilung am Hof sehr asymmetrisch ist: „[...] Whatever else women do on the farm it is in addition to, rather than instead of, their household tasks and responsibilities [...]"[i]. Die Gespräche mit den Bäuerinnen zeigten, dass sich in der ideologischen Konstruktion von Mutterschaft und Hausfrauendasein Geschlechterunterschiede manifestieren. Die Zuständigkeit für Haushalt und Kinderbetreuung wird „von Natur her" als Angelegenheit der Frauen betrachtet. Whatmore spricht von zwei Typen von Bäuerinnen: Die „farming women" arbeiten auf Höfen bei denen der Grad der Kommoditisierung sehr gering gehalten ist und die häusliche Reproduktion eng mit der gesamten Hofwirtschaft verbunden ist. Der Subsistenzanteil dieser Höfe ist hoch, die Frauen haben Freiräume, ihre Arbeitsbereiche eigenständig zu organisieren und auch Arbeitsbereiche außerhalb der Kindererziehung und des Haushalts einzunehmen. Anders als die „incorporated wives" auf Höfen, deren Marktorientierung sehr hoch und auf denen die geschlechterspezifische Arbeitsteilung weit fortgeschritten ist. Die Rolle der Frauen beschränkt sich hier auf den Haushalt, da die meist hoch spezialisierte und mechanisierte landwirtschaftliche Produktion in der Zuständigkeit der Männer liegt. Der Begriff „incorporated wives" verweist auf die strukturelle Entwertung der Frau, die auf die Rolle der Ehefrau eines Landwirtes reduziert wird, nicht aber als eigenständige Person mit vielfältigen Aufgabenfeldern gilt. Der theoretische, erste Teil des Buchs ist sprachlich sehr komplex und fordert von den LeserInnen einiges Vorwissen. Die klare Strukturierung dieser einleitenden Kapitel hilft jedoch, einen Überblick über den Diskurs im Forschungsumfeld zu gewinnen. Die Stichprobe von 6 Höfen für die qualitative Feldforschung erscheint etwas gering, um der umfassenden Kritik der Autorin gerecht zu werden. Sie argumentiert aber immer ausgehend von den Fallbeispielen, weshalb ihre Schlussfolgerungen gut nachvollziehbar sind. Der deskriptive Charakter des empirischen Teiles ist wohl einer der Gründe, warum die Autorin sich mit programmatischen Aussagen sehr zurückhält. „Farming Women" ist in diesem Sinne alles andere als eine feministische bzw. marxistische „Kampfschrift". Gerade diese relativ pragmatische Herangehensweise ist es, die das Buch lesenswert und erfrischend nüchtern macht. Die Thematik und die Kernaussagen des Buches sind aus unserer Sicht nach wie vor sehr aktuell, es ist daher verwunderlich, warum es nicht mehr rezensiert und nicht wieder aufgelegt bzw. übersetzt wurde.
Whatmore Sarah (1991): Farming Women, Gender, Work and Family Enterprise, Bristol
DI Sophie Kickinger (Landschaftsplanerin) ist derzeit am Institut für Geschichte des Ländlichen Raums und als Lektorin am Institut für Landschaftsplanung (BOKU Wien) tätig. Angela Weikmann studiert Landschaftsplanung an der Universität für Bodenkultur Wien. [i] Whatmore (1991): Farming Women, Gender, Work and Family Enterprise, Bristol, S 83 |
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| Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 2. März 2010 ) |
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