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Bäuerinnenkabarett PDF Drucken E-Mail

Immer wieder tauchte in den Arbeitskreisen der ÖBV die Frage auf:

Wie können die Auswirkungen der Agrarpolitik und Agrarbürokratie auf den Alltag einer Bäuerin/eines Bauern (Milchhygienebestimmungen, Aufzeichnungspflichten, Kontrollen, Ausgleichszahlungsformulare etc.) einer breiteren Öffentlichkeit verständlich vermittelt werden?

Ratlos und etwas überfordert begann die Gruppe zu blödeln. Daraus entstand die Idee, Kabarett zu spielen. Im Frühjahr 1998 wurde begonnen, das Kabarettprogramm „Außer Kontrolle" mit 9 Bäuerinnen und einer Theaterpädagogin zu entwickeln. Die Uraufführung fand im Rahmen des Internationalen Bäuerinnenseminars „eingeRAHMt" im November 1999 im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten statt.

 

Die „Miststücke", wie sich die Kabarettgruppe seit 2000 nennt, stellen teils belastende Alltagssituationen auf humorvolle Art und Weise dar.

Die Akteurinnen selbst sind Betroffene. Sie schildern ihre eigene Situation mit pointiertem Humor, leicht überzeichnet von der Bühne herab. Damit ist die Darstellung authentisch und regt Bäuerinnen wie auch Menschen der nicht-bäuerlichen Bevölkerung zum Diskutieren und Nachdenken an. So kann beispielsweise von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen werden, was es bedeutet, ständig kontrolliert zu werden, welche konkreten Auswirkungen die Anforderung der Milchhygieneverordnung auf das Herstellen von Käse hat, die unangenehmen Seiten des Mehrgenerationenhaushalts u.v.a.m.

Die Bäuerin kommt in der agrarpolitischen Diskussion so gut wie gar nicht vor. Im Sinne von „das Persönliche ist politisch" machen die Kabarett-Bäuerinnen in anschaulicher und einprägsamer Art und Weise auf sich und ihre Situation aufmerksam. Damit dient es auch der Ent-Romantisierung von in Werbung und Medien oftmals verkitscht dargestellten Leben auf einem Bauernhof.

Für die darstellenden Bäuerinnen selbst hat die kreative Arbeit ihr eigenes Selbstvertrauen gestärkt, indem sie den Mut entwickelt haben, vor größeren Gruppen laut und deutlich zu sprechen. Dadurch sind sie nun in der Lage, bei öffentlichen Veranstaltungen ebenfalls ihren Standpunkt zu vertreten. Die Spielerinnen haben ungeahnte Talente an sich entdeckt, die sie auch in ihrem Alltag nutzen können. Ihr Mut, der allgemein verbreiteten Ohnmacht mit Kreativität und Widerständigkeit zu begegnen, ist ansteckend. Die Idee wurde mittlerweile auch von anderen Gruppen aufgegriffen.

Die Bäuerinnenkabarettgruppe "Miststücke" erhielt am internationalen Landfrauentag in Genf im Oktober 2003 den internationalen Preis für die Kreativität der Landfrauen.

Es hat sich gezeigt, dass durch kreative Ausdrucksformen wie schreiben und Kabarett spielen die unzufriedenstellende Situation von Bäuerinnen weitaus besser in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden können als durch wissenschaftliche Abhandlungen und politische Diskussionen.

Das Bäuerinnenkabarett besteht aus folgenden Frauen:

Maria Gansch, Christine Gattringer, Monika Gruber, Monika Mlinar, Gusti Leitner, Maria Vogt, Annemarie Pühringer-Rainer, Elisabeth Gußner und Beate Leyrer als künstlerische Leiterin

 

Infos und Buchung bei Monika Mlinar unter 02782-82237 (abends)

 

 

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 27. Januar 2010 )