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Elevate - Das Schlossbergfestival PDF Drucken E-Mail

Do, 21.- So 24. Oktober 2010 in Graz
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Elevate - Das Schlossbergfestival

Festival für zeitgenössische Musik, Kunst und politischen Diskurs

Vier Nächte lang Konzerte, Live-Acts und DJ-Lines. Vier Tage lang Vorträge, Diskussionen, Workshops, Installationen und Performances - gestaltet von und mit (unabhängigen) Initiativen, Labels, KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und AktivistInnen im und um den Grazer Schlossberg.

www.2010.elevate.at

 

Elevate Civil Society - Das Diskurs- und Filmprogramm

Change!", „Mobilize!",„Communicate!": diese drei Schlagworte verdeutlichen den praxisorientierten Ansatz des diesjährigen Elevate-Diskursprogramms. Mike Bonanno von den YES MEN und VertreterInnen der weltweit größten Klima- und Umweltschutzorganisationen, wie Nnimmo Bassey von Friends of the Earth International und Bill Mc Kibben von 350.org, wollen Bewusstsein und Motivation für persönliches und kollektives Engagement schaffen. Das gemeinsame Ziel ist, nicht länger tatenlos zuzusehen, sondern Lösungsansätze zu erarbeiten: um der Klima- und Wirtschaftskrise, ebenso wie sozialen Ungleichheiten entgegenzuwirken. In diesem Sinne diskutieren renommierte ExpertInnen und AktivistInnen aus dem In- und Ausland über die Bedeutung und Möglichkeiten von persönlichem Engagement, BürgerInneninitiativen und sozialen Bewegungen - mit globaler wie auch lokaler Perspektive. Das begleitende Dokumentarfilmprogramm setzt zusätzliche Impulse und präsentiert mit „Cultures of Resistance" (USA/2010) eine Österreichpremiere.

 

 

COMMONS OF THE EARTH

Wir betrachten die Atmosphäre als Gemeingut, ebenso die biologische Vielfalt und das Wasser. Sie sind unsere unmittelbaren Lebensgrundlagen und stehen uns entweder von Natur aus seit jeher zur Verfügung oder wurden (wie etwa das Saatgut) über Jahrtausende hinweg gemeinschaftlich kultiviert.

Ebenso als Gemeingüter definiert werden können die Weltmeere und andere Gewässer, Wälder, Land bzw. Grund und Boden, u.v.m. Wir alle haben einen Anspruch auf ihre Nutzung, doch in der Praxis ist es immer eine Frage der Machtverhältnisse, wer bestimmt, welche Güter gemein verfügbar bleiben und welche privatisiert werden dürfen. Fest steht, dass allesamt äußerst wertvoll und daher heiß umkämpft sind. Weltweit versuchen transnationale Konzerne, aber auch Regierungen und andere Akteure, sich die Commons mit allen Mitteln anzueignen und ihren Profitinteressen entsprechend zu verwerten bzw. kümmern sich nicht oder nicht ausreichend um ihren Erhalt.

Mit den beiden Schwerpunkten „Biopiraterie, Gentechnik, Ernährungskrise" und „Atmosphäre, Klimawandel" werden zwei der aktuell wichtigsten Themenkomplexe behandelt. Es soll gezeigt werden, mit welchen Mitteln und Strategien die Befürworter der Privatisierung der Gemeingüter agieren, was bereits an Schaden und Zerstörung angerichtet wurde, welche Gefahren derzeit und in Zukunft drohen und welche Initiativen sich dagegen zur Wehr setzen. Vor allem soll auch die Frage diskutiert werden, wie der Kampf um den Erhalt der lebensnotwendigen Commons gewonnen werden kann. Nichts weniger als die Zukunft der Menschheit hängt davon ab.

Genetische und biologische Commons unter Privatisierungsdruck: Biopiraterie, Gentechnik, Ernährungskrise und Gegenstrategien

Haie im Genpool: Agrar- und Pharmamultis plündern die genetischen Commons.

Vortrag von Anne Schweigler (BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie/ Berlin)

Die BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie kritisiert, dass über biologische Vielfalt nur als Naturschutzthema gesprochen wird. Damit werden andere Interessen verschleiert. Biodiversität ist eng verbunden mit politischen, sozialen und ökonomischen Komponenten, und um die "Eigentumsfrage" findet ein weltweiter Machtkampf statt. Transnationale Saatgut-, Pharma- und Kosmetikkonzerne des "Nordens" (oft im Verbund mit Forschungseinrichtungen) streben mit Hilfe von ständig schärferen und umfassenderen geistigen Eigentumsrechten nach mehr Nutzungskontrolle über die biologische Vielfalt. Im Visier haben sie die genetischen und biologischen Grundlagen und Eigenschaften aller Nutz- und Heilpflanzen. D.h., ihnen geht es letztlich um die Kontrolle über den gesamten Lebensmittel- und Pharma-Bereich weltweit.

Gegen diese Privatisierung der genetischen und biologischen Commons (Biopiraterie) wehren sich bisher vor allem Kleinbauern und -bäuerinnen und Indigene Völker aus den sogenannten Entwicklungsländern. Sie sind am unmittelbarsten von den daraus entstehenden Problemen wie Abhängigkeit und Hunger betroffen. Aber auch im Norden, in den Industrieländern, wächst langsam das Bewusstsein über die zentrale Bedeutung und die massive Bedrohung der "genetischen und biologischen Commons".

Der Vortrag berichtet von unterschiedlichen Strategien, wie genetische und biologische Commons geplündert und angeeignet werden, und von Protesten und Projekten auf der Suche nach Alternativen. Dabei ist eines klar: Freie biologische Vielfalt braucht kulturelle Vielfalt und die Beteiligung vieler!

www.biopiraterie.de

Anne Schweigler

Ethnologin. Arbeitete von 2001 bis 2003 in Chiapas/Mexiko bei COMPITCH, einer Organisation von traditionellen Heilern und Hebammen, die sich gegen die Biopiraterie ihrer traditionellen Heilpflanzen und ihres traditionellen Wissens wehren. Seit 2003 gemeinsam mit anderen aktiv in der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie. Seit 2006 auch aktiv im Aktionsnetzwerk Globale Landwirtschaft. Lebt in Berlin.

 

Biodiversität und Saatgut als Gemeingut erhalten.

Vortrag von Heike Schiebeck (ÖBV-Via Campesina Austria/ Bad Eisenkappel)

Bäuerinnen und Bauern schaffen und erneuern seit Jahrtausenden das Gemeingut der pflanzlichen und tierischen Artenvielfalt. Diese ist heute schwerwiegenden Bedrohungen ausgesetzt: Industrielle Landwirtschaft, Monokulturen, Gentechnik, nationale und internationale Politiken, die ländliche Gemeinschaften und kleinstrukturierte Landwirtschaft vernichten, sowie die Aneignung des Saatguts mittels sogenannter geistiger Eigentumsrechte durch transnationale Konzerne zerstören unwiederbringlich die Artenvielfalt. Ernährungskrise und Klimawandel sind hausgemachte Probleme. Wir müssen das industrielle und exportorientierte Landwirtschaftsmodell mit hohem Energieverbrauch und weiten Transporten durch eine relokalisierte Produktion ersetzen. Die globale Kleinbauern/-bäuerinnen- und Landlosenbewegung La Via Campesina tritt gegen den neoliberalen Freihandelswahn und für kleinstrukturierte, ökologisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft ein. Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass diese die Weltbevölkerung ernähren kann.

www.viacampesina.org

Heike Schiebeck

Geboren 1959 in Bremen, lebt seit 1979 auf dem Bergbauernhof von Longo maï in Bad Eisenkappel/ Železna Kapla. Imkermeisterin und Wanderlehrerin für Bienenzucht. Mitbegründerin der bäuerlichen Direktvermarktungs-Gemeinschaft Coppla Kaša. 2002 Studienabschluss am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Klagenfurt. 2002 Studienabschluss am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Klagenfurt. Buchautorin: "Gewitzt und beharrlich - Wege bäuerlicher Selbsthilfe an der Grenze zwischen Kärnten und Slowenien", Drava-Verlag 2004. Vorstandsmitglied der ÖBV - Via Campesina Austria. Mitglied der internationalen Kommission für Biodiversität und genetische Ressourcen der globalen Kleinbauern/-bäuerinnen- und Landlosenbewegung La Via Campesina. Teilnahme an zahlreichen Aktionen und Protesten von La Via Campesina weltweit. www.viacampesina.org

 

Percy Schmeiser

Der 77-jährige Percy Schmeiser ist als Farmer und Saatgutzüchter in Bruno, in der kanadischen Provinz Saskatchewan, tätig.

Als 1997 auf seinen Rapsfeldern gentechnisch veränderte, vom mächtigen Agrochemie-Multi Monsanto patentierte Pflanzen gefunden wurden, sah er sich mit derselben Droh- und Erpressungstaktik konfrontiert, die der Konzern weltweit tausendfach praktiziert: Ihm wurde ein Vergleich angeboten, der beinhaltet, dass Monsanto von Schadenersatzforderungen absehen wolle, wenn er in Zukunft dessen gentechnisch verändertes Saatgut kaufe und für immer darauf verzichte, jemals seinerseits  Schadenersatzansprüche zu stellen oder über diesen Deal öffentlich zu sprechen. Akzeptiere er nicht, würde er wegen der angeblichen Patentverletzung verklagt.

Viele Bauern und Bäuerinnen lassen sich von derartigen Drohungen verständlicherweise einschüchtern. Nicht so Percy Schmeiser. Er wollte weder das untaugliche gentechnisch veränderte Saatgut, noch sah er ein, weshalb er Monsanto gegenüber schadenersatzpflichtig sein sollte. Immerhin hatte doch das Saatgut des Konzerns seine Ernte kontaminiert und damit seine jahrzehntelange Zuchtarbeit zerstört. Monsanto sei also umgekehrt ihm gegenüber schadenersatzpflichtig. Schmeiser entschied sich also dafür, zu kämpfen. Es folgten mehrere langjährige Gerichtsprozesse.

Als bahnbrechendes Resultat des letzten Rechtsstreits akzeptierte Monsanto 2008, eine Stunde vor der auf den 19. März terminierten Gerichtsverhandlung, sämtliche Forderungen Schmeisers und erklärte sich für die Kontamination seiner Felder verantwortlich. Der Konzern bezahlt nun nicht nur den von ihm verursachten Schaden, sondern nimmt auch hin, dass Schmeiser über die genauen Hintergründe öffentlich berichtet und Stellung bezieht. Das Eingeständnis Monsantos, als Eigentümer des Patentes auf transgene Pflanzen auch für die Kontamination benachbarter Felder verantwortlich zu sein, ebnet betroffenen Bauern und Bäuerinnen nun weltweit den Weg für Schadensersatzforderungen.

Percy Schmeiser, der mittlerweile international als Symbolfigur und Sprecher im Kampf unabhängiger Landwirte um ihre Rechte und für die Erhaltung der biologischen Vielfalt bekannt ist, hat einen immens wichtigen Sieg errungen. 2007 wurde er gemeinsam mit seiner Frau mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

www.percyschmeiser.com

 

Gemeingut Atmosphäre: Gibt es einen Ausweg aus der Klimafalle?

Vorträge von und Diskussion mit Dr. Hans-Jochen Luhmann (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) und Dr. Achim Brunnengräber (Freie Universität Berlin)

 

 

Der menschengemachte im natürlichen Klimawandel

Vortrag von Dr. Hans-Jochen Luhmann (Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie)

Der anthropogene Klimawandel ist Ausdruck des Konzeptes „Industriegesellschaft". Um die Machtausübung des Menschen in Relation zur Kraft des natürlichen Klimawandels quantitativ sichtbar zu machen, wird er in den Rahmen des natürlichen Wandels der Eis- und Warmzeiten gestellt. Wichtig ist dieser Zugang, weil in breiten Kreisen auf Unglauben stößt, dass der Mensch machtvoller sein könne als die Natur, die bislang die Lebensgrundlagen entscheidend geprägt hat.

Weiters wird das Konzept des „bereits realisierten" menschengemachten Klimawandels hervorgehoben. Dieser ist definiert als Anstieg der Konzentration von (langlebigen) Treibhausgasen in der Erdatmosphäre, der ein Temperaturanstieg zwangsläufig folgt, d.h. dieser manifestiert sich allmählich. Der bereits „reale", also verursachte, Temperaturanstieg ist um ein Dreifaches höher als der bislang manifestierte. Diese erhebliche Verzögerung zwischen „Realität" (Verursachung) und Sichtbarwerden (für jedermann) wird einerseits demokratietheoretisch zum Thema gemacht. Aus dieser Perspektive betrachtet erscheint sie fatal. Kapitaltheoretisch gesehen scheint sie hingegen völlig problemlos antizipierbar. Die implizite These lautet also: Klimawandel ist eher ein Problem für bestimmte Regierungssysteme, weniger für die kapitalorientierte Wirtschaft.

Die politische Aufgabe besteht darin, den menschengemachten Klimawandel zu beenden. Darüber besteht global Konsens (Art. 2 UNFCCC). Um diese Herausforderung greifbar zu machen, wird gezeigt, welche maximalen Emissionskorridore von Treibhausgasen ein Stopp des Konzentrationsanstiegs impliziert und welche Budgets an fossilen Brennstoffen noch verbrannt werden dürfen, um die politisch leitenden Ziele von „maximal plus zwei Grad Celsius" sowie „Treibhausgas-Reduktion bis 2050 um mehr als 50 Prozent" erreichen zu können.

Dr. Hans-Jochen Luhmann

Studium der Mathematik, Volkswirtschaftslehre und Philosophie in Hamburg, Basel und Heidelberg; 1974-1980 Mitglied der Arbeitsgruppe Umwelt, Gesellschaft, Energie an der Universität Essen. Seit 1993 Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, stellvertretender Leiter der Abteilung Klimapolitik. Gegenwärtig: Projektleiter Grundsatzfragen. Herausgeber der Zeitschrift „Gaia - Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft". Mitglied im Beirat Jahrbuch Ökologie sowie in den Beiräten der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und der Deutschen Umweltstiftung. Arbeitsschwerpunkte: Klimapolitik aller Ebenen, Energiepolitik auf EU und nationaler Ebene, Steuerpolitik, Risikopolitik, Wissenschaftspolitik.

http://www.wupperinst.org/de/kontakt/cont/index.html?&kontakt_id=42&bid=43&searchart=uebersicht

 

Die Tragödie der Atmosphäre - oder wie ein Gemeinschaftsgut zu einer handelbaren Ware wird.

Vortrag von Dr. Achim Brunnengräber (Freie Universität Berlin)

Ebenso wie viele andere Gemeinschaftsgüter wird auch die Atmosphäre, die über den Treibhauseffekt Leben auf der Erde erst ermöglicht, zunehmend in private Hand überführt. Nichts anderes bedeutet das Recht auf den Handel mit Emissionen und damit das zertifizierte Recht, die Atmosphäre zu verschmutzen. Zertifikate werden zum transferierbaren Kapitalgut, das den Kapitalbestand von Unternehmen und damit gegebenenfalls deren Börsenwert erhöht. Die durch den Menschen verursachte Erhöhung der Temperatur im Treibhaus muss jedoch als eine globale Irrationalität angesehen werden. Es liegt eine klassische Tragödie vor - in diesem Fall die Tragödie der Atmosphäre.

Der Schutz des Gemeinschaftsgutes Atmosphäre durch die Angleichung der Pro-Kopf-Emissionen greift zu kurz: Mit der Forderung nach einer individuell gleichen und gerechten Lasten- sowie Nutzenverteilung wird einem Denkmuster gefolgt, in dem die Nicht-Verschmutzung und die nicht-marktförmige Bearbeitung der Klimakrise unberücksichtigt bleiben. Stattdessen wird die hegemonial gewordene Prämisse der Moderne gefestigt, dass gesellschaftliche Entwicklung mit der effizienteren Nutzung fossiler Energieträger und mit weltwirtschaftlichem Wachstum einhergehen müsse. Vernachlässigt werden die verschiedenen, sozial-räumlichen und kontextspezifischen Herausforderungen im Umgang mit dem Klimawandel. Notwendig ist die Überführung des fossilen Energieregimes hin zu Erneuerbaren Energien mit ihrem demokratisierenden Potential.

Achim Brunnengräber

Politikwissenschaftler. Studium in Heidelberg, Berlin und Bremen. Privatdozent im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin. Koordinator des Arbeitsprogramms „Global Environmental Governance" im Rahmen des Exzellenz-Netzwerks der Europäischen Union „Global Governance, Regionalisation and Regulation: The Role of the EU". Vertrauensdozent und im wissenschaftlichen Fachbeirat Nord-Süd der Heinrich-Böll-Stiftung. Arbeitsschwerpunkte: Internationale Politische Ökonomie, Theorien Internationaler Beziehungen, Global und Multi Level Governance, Umwelt- und Klimapolitik, Globale Politiknetzwerke, globale Protestbewegungen, Formen globaler Demokratie. Aktuelle Veröffentlichung (gemeinsam mit Elmar Altvater): "Ablasshandel gegen Klimawandel? - Marktbasierte Instrumente in der globalen Klimapolitik und ihre Alternativen."

www.globalpolicy.de

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 4. Januar 2011 )
 
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